Global menu

Our global pages

Close

Pauschalierter Rücktrag für erwartete Verluste aus 2020 mit Steuern aus 2019 in Corona-Fällen

  • Germany
  • Tax planning and consultancy

27-04-2020

Nachträgliche Herabsetzung von Steuer-vorauszahlungen für 2019 …

Bei vielen Steuerpflichtigen ist aufgrund der Corona-Krise damit zu rechnen, dass die Einkünfte in 2020 erheblich einbrechen werden, die zu steuerlich verrechenbaren Verlusten führen. Solche Verluste können sowohl mit Erträgen des laufenden Jahres verrechnet werden bzw. oder in Folgejahre vorgetragen werden, aber auch in das vorangehende Jahr zurückgetragen werden. Sofern die Einkommen- oder Körperschaftsteuer für 2019 noch nicht festgesetzt worden ist, kann der Steuerpflichtige die voraussichtlich in 2020 entstehenden Verluste pauschaliert nach 2019 zurücktragen, indem er ab sofort eine pauschalierte Herabsetzung der Vorauszahlungen für 2019 beantragt. Damit lassen sich liquiditätsschonend mögliche Steuernachzahlungen für 2019 vermindern.

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat die Voraussetzungen für diese Corona-Sofortmaßnahme im Schreiben vom 24. April 2020 zusammengefasst:

… durch Rücktrag eines pauschaliert ermittelten Verlustes aus 2020

Für die nachträgliche Herabsetzung der Vorauszahlungen für 2019 durch Inanspruchnahme des pauschal ermittelten Verlustrücktrags

| ist ein Antrag erforderlich, der schriftlich oder elektronisch (z.B. über ELSTER) bei dem zuständigen Finanzamt zu stellen ist.

| Antragsberechtigt sind alle von der Corona-Krise unmittelbar und nicht unerheblich negativ betroffene Steuerpflichtige. Eine solche Betroffenheit wird angenommen, wenn die Vorauszahlungen für 2020 auf 0 EUR herabgesetzt wurden und der Steuerpflichtige versichert, dass er für 2020 aufgrund der Corona- Krise eine nicht unerhebliche negative Summe der Einkünfte erwartet.

| Der Steuerpflichtige unterliegt entweder der Einkommensteuer und erzielt Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb und selbstständiger Arbeit sowie aus Vermietung und Verpachtung – wobei es unschädlich ist, wenn auch andere Einkunftsarten vorliegen – oder der Körperschaftsteuer und

| die Steuer für 2019 ist noch nicht festgesetzt worden.

| Die Herabsetzung der Vorauszahlungen kann grundsätzlich bis zu 15 Monate nach dem Ende des Steuerjahrs erfolgen bzw. sogar auf 23 Monate, wenn überwiegend Einkünfte ans Land- und Forstwirtschaft erzielt werden.

Ablauf des pauschal ermittelten Verlustrücktrags

1. Ermittlung der Höhe des pauschalierten Verlustrücktrags

Der pauschal ermittelte Verlustrücktrag aus 2020 beträgt 15% des Saldos der maßgeblichen Gewinneinkünfte oder der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung aus 2019, maximal aber 1 Mio. EUR bzw. 2. Mio. EUR bei Zusammenveranlagung.

2. Steuerfestsetzung 2019

Kommt es für 2019 zu einer Steuernachzahlung, so kann diese auf Antrag befristet auf einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids zinslos gestundet werden; der Stundungsbetrag ist aber begrenzt auf den Anteil des Verlustrücktrags an der gesamten Nachzahlung. Auch wird vorausgesetzt, dass im Zeitpunkt der Abgabe der Steuererklärung 2019 der Steuerpflichtige weiterhin von einem nicht unerheblichen Verlust für 2020 ausgegangen ist. Zu beachten ist, dass die Stundung unter Vorbehalt der Zinsfestsetzung und dem Vorbehalt des Widerrufs steht. Sofern die Besteuerungsgrundlagen für 2020 auf einer Schätzung basieren, kann die Stundung richtig teuer werden, weil das Finanzamt in diesem Fall nachträglich Stundungszinsen von derzeit 6% p.a. festzusetzen hat.

3. Steuerfestsetzung 2020

Wenn sich für 2020 ein Verlustrücktrag ergibt, entfällt insoweit die bis dahin festgesetzte und gestundete Nachzahlung für 2019.

Stellt sich heraus, dass der Verlust in 2020 doch nicht so hoch ausfällt und daher kein Verlustrücktrag möglich ist, muss die für 2019 gestundete Steuer einen Monat nach Bekanntgabe der Steuererklärung 2020 gezahlt werden.

Ergibt sich nur ein erheblich geringerer Verlustrücktrag nach 2019 und ist die Steuerminderung daher geringer als die gestundete Steuer, muss die verbleibende Nachzahlung innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des berichtigten Steuerbescheids für 2019 gezahlt werden.

Praxishinweis: Drum prüfe, wer sich länger (an das Finanzamt) bindet…

Grundsätzlich ist die Sofortmaßnahme zur kurzfristigen Erhöhung der Liquidität zu begrüßen, ebenso wie auf die explizite Erweiterung auf Vermieter. Wie auch bei den zuvor bekanntgegebenen Corona-Steuererleichterungen, sind aber die Hürden für die Gewährung der pauschalierten Herabsetzung nicht nur hoch, sondern mit Rechtsunsicherheiten behaftet sowie zusätzlichem Nachweispflichten:

Neben das bisher für die übrigen Corona-Steuererleichterungen schon geforderten Kriterium der „unmittelbaren Betroffenheit von der Corona-Krise“ (vgl. unsere Newsletter vom 31.03.2020 sowie 03.04.2020), kommt nun der Terminus der „nicht unerheblich negativen“ Betroffenheit neu hinzu.

Zwar räumt das BMF ein, dass die Prognose und die Darlegung der Verluste im Einzelfall wegen der Unsicherheiten über die wirtschaftliche Entwicklung in der aktuellen Situation schwierig ist. Dennoch soll der Steuerpflichtige „versichern“ - also nicht nur einfach „glaubhaft machen“ - dass er bei Antragstellung negative Einkünfte erwartet. Darüber hinaus muss er seine wirtschaftliche Situation nicht nur bei Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen für 2019 gut dokumentieren, sondern dies auch nachhalten, spätestens bis zum Zeitpunkt der Abgabe der Steuererklärung 2020.

Anders als in den bisherigen Verlautbarungen zu den Corona.-Steuererleichterungen stellt das BMF nun eindeutig klar, dass das Finanzamt im Falle der Nichteinhaltung der Voraussetzungen Stundungszinsen festsetzen muss, die 6% p.a. betragen.