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Ansprüche von Reisenden an Fluglinien und Reisebüros

  • Austria

    08-07-2010


    Der Sommer ist nun endlich eingekehrt und damit beginnt auch die Urlaubszeit und mit ihr die Reisezeit. In diesem Zusammenhang haben die österreichischen Gerichte sowie der Europäische Gerichtshof in letzter Zeit einige interessante Entscheidungen zu Ansprüchen von Reisenden gegenüber Fluglinien und Reiseveranstaltern gefällt.

    Verlust von Reisegepäck

    So wurde vom Europäischen Gerichtshof infolge einer Anfrage eines spanischen Gerichtes klargestellt, welchen Anspruch auf Ersatz Fluggäste für abhanden gekommenes Gepäck nach dem Abkommen von Montreal gegenüber der Fluglinie haben. Anlass war, dass ein Reisender neben einem Anspruch auf Schadenersatz von Euro 2.700,00 für das verlorene Gepäck auch einen Anspruch auf den durch diesen Verlust entstandenen immateriellen Schaden in Höhe von Euro 500,00 erhob.

    Demnach besteht ein Schadenersatzanspruch in Höhe von SZR 1.000,00 (SZR ist eine vom Internationalen Währungsfonds festgelegte Währungseinheit, die aus den wichtigsten Weltwährungen zusammengesetzt ist). Dieser Betrag entsprach im April 2010 ca. € 1.130,00. Mit diesem Betrag sind sowohl materielle als auch immaterielle Schäden abgegolten. Dh. im gegenständlichen Fall war mit diesem Höchstbetrag der Schadenersatzanspruch erschöpft.

    Konkret bedeutet dies, dass im Falle des Transports bzw. der Mitnahme höherer Werte im Reisegepäck bei der Aufgabe desselben der Wert angegeben werden muss und der von der Fluggesellschaft dafür in Rechnung gestellte Zuschlag bezahlt werden muss.

    Freie Wahl der Inanspruchnahme von gebuchten Flügen

    Das Handelsgericht Wien hat in seiner Berufungsentscheidung vom 1.3.2010 festgestellt, dass Tarifbestimmungen von Fluglinien die im Falle der Buchung mehrerer Flüge auf einem Flugschein (Hin- und Rückflug) die Fluglinie berechtigen, bei Nichtantreten eines Fluges alle folgenden zu annullieren, nichtig sind. Damit wollen Fluglinien das sogenannte „cross border selling“, also die Nutzung eines Flugscheines zB erst ab einem Zwischenziel unterbinden und es dem Konsumenten so unmöglich machen, sich aus mehreren Flugangeboten ein für ihn passendes und günstigeres zusammenzustellen. Das Gericht begründet dies zu Recht damit, dass der Fluggast die Leistung zur Gänze bezahlt hat und es ihm freistehen muss, einen Flug ausfallen zu lassen und den zweiten zu nehmen.

    Aufklärungspflicht des Reiseveranstalters über Naturereignisse

    Eine weitere interessante Entscheidung, insbesondere im Hinblick auf die im karibischen und US-amerikanischen und mexikanischen Raum bevorstehende Hurrikansaison hat der OGH Ende des vergangenen Jahres gefällt. Demnach ist bei Buchung einer Reise in ein Hurrikangebiet der Reiseveranstalter und in seiner Vertretung das Reisebüro verpflichtet, einen Kunden über die Möglichkeit einer saisonbedingt erhöhten Hurrikangefahr oder einem sonstigen Naturereignis, Unruhen oder ähnlichen Gefahren am Urlaubsort zu unterrichten. Ausreichend ist in diesem Zusammenhang jedoch auch, wenn dem Kunden ein Katalog über sein Urlaubsziel überreicht wird, in dem auf diese Gefahr ausdrücklich hingewiesen wird.

    Wurde jedoch jede Aufklärung unterlassen und tritt ein derartiges Naturereignis im Urlaub auf, das letztlich zu einer Gefährdung des Urlaubers oder zu einem Verlassen des Urlaubsortes zwingt, haftet der Veranstalter für die entgangene Urlaubsfreude und die im Zusammenhang mit diesem Ereignis anfallenden Zusatzkosten.

    wirtschaftsblatt.at

    Kontakt für weitere Informationen

    Mag. Alexander Stolitzka
    Managing Partner
    a.stolitzka@eversheds.at

    Disclaimer

    This information is for guidance purposes only and should not be regarded as a substitute for taking legal advice. Please refer to the full terms and conditions on our website.

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