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Umsturz eines Kranes - Kein untypisches Schadensereignis

  • Austria

    03-06-2016

    Das OLG Wien entschied kürzlich, dass der Eigentümer einer Liegenschaft, zu deren Sanierung ein Kran aufgestellt wurde, bei Umsturz dieses Kranes für alle dadurch verursachten Schäden auf Nachbarliegenschaften haftet.

    Der Eigentümer eines Hauses in Wien ließ auf der Straße vor seinem Gebäude einen Turmdrehkran aufstellen, um dieses zu sanieren. Dieser Kran stürzte im Sommer 2014 unerwartet auf das gegenüberliegende Haus. Die Verschuldensfrage ist bis dato ungeklärt. Sowohl der Liegenschaftseigentümer als auch jener Bauunternehmer, der in dessen Auftrag den Kran aufgestellt hatte, verweigerten die Zahlung der Schäden am gegenüberliegenden Gebäude (rund 400.000 Euro), weshalb dessen Eigentümerin letztlich gegen beide vor Gericht zog.

    Schon das Landesgericht hatte – nunmehr bestätigt durch das OLG – eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen: Unabhängig vom konkreten Verschulden am Umsturz haftet der Liegenschaftseigentümer jedenfalls für den Schaden am Nachbargebäude und muss daher jetzt selbst im Regressweg versuchen, den von ihm beauftragten Professionisten ein konkretes Verschulden nachzuweisen. Diese verschuldensunabhängige Haftung trifft eben denjenigen, zu dessen Nutzen eine Anlage errichtet wird, die eine besondere Gefahrensituation schafft. Dieser haftet für alle Schäden, die diese Anlage auf benachbarten Grundstücken verursacht. Dies würde nur dann nicht gelten, wenn es sich um ein völlig „untypisches“ Schadensereignis handeln sollte – das Umstürzen eines Kranes ist aber eben gerade kein „untypisches“ Ereignis.

    Auswirkungen auf die Praxis

    Wer auf seinem Grundstück Bauarbeiten in Auftrag gibt, zu deren Zweck potenziell gefährliche Anlagen verwendet werden, der haftet unabhängig von seinem eigenen Verschulden für alle Schäden, die diese Anlagen einem anderen Liegenschaftseigentümer zufügen. Dies gilt neben Kränen wohl in ähnlicher Weise auch für Baumaschinen, Gerüste etc. und auch dann, wenn die Anlage behördlich genehmigt war und er sich zu deren Aufstellung befugter Professionisten bediente.

    Damit ist aber auch klargestellt, dass der – jedenfalls unschuldig „zum Handkuss gekommene“ – Nachbar nicht mehr selbst den oft unmöglichen Beweis antreten muss, wen auf einer fremden Baustelle das Verschulden an einem Schadensfall trifft. Der Geschädigte kann den Ersatz seiner Schäden vom Auftraggeber verlangen, in dessen Interesse die schädigende Anlage betrieben wurde. Dieser muss bezahlen und sich in weiterer Folge selbst an den tatsächlich Schuldigen zu regressieren versuchen. Als Bauherr sollte man daher dringend mit seinem Versicherungsbetreuer abklären, ob im Falle des Falles auch derartige Schäden von der bestehenden Versicherung gedeckt sind.

    A3 Baumagazin
    Autor: Dr. Georg Röhsner

    Disclaimer

    This information is for guidance purposes only and should not be regarded as a substitute for taking legal advice. Please refer to the full terms and conditions on our website.

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